Mehr als die Hälfte aller Schmerzen, über die der Mensch seitens des Halte- und Bewegungsapparates klagt, sind Kreuzschmerzen. Rund 31 Millionen Behandlungsfälle, etwa 12,5 Mrd. Euro Arbeitsausfallkosten der deutschen Wirtschaft und ca. 5 Mrd. Euro Kosten für Arztkonsultation, Krankenhausbehandlung, Medikamente etc. jährlich belasten die ohnehin leeren Kassen. Dahinter steht eine Erkrankung die viele Gesichter hat: der Rückenschmerz. Neben der Operation, die sich nur in besonders schwer wiegenden Fällen empfiehlt, liefern medikamentöse und physikalische Behandlungsoptionen im Rahmen der konservativen Behandlung gute Ergebnisse.
Die überragende Schmerzanfälligkeit der Wirbelsäule, hier insbesondere die Lendenwirbelsäule, wird auf die entwicklungsgeschichtliche Umstellung mit dem aufrechten Gang des Menschen zurückgeführt.
Monotone Belastungen in einer vor allem für die Lendenwirbelsäule übermäßig beanspruchenden Position (z.B. langes Sitzen bei Bürotätigkeit) sind meist auslösender Faktor für muskuläre Dysbalancen und damit Rückenschmerzen.
Hinzu kommen zudem die Faktoren Übergewicht und mangelnde Bewegung.
Schließlich folgen in höherem Lebensalter Beschwerden durch Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Verminderung des Knochenkalksalzgehaltes (Osteoporose), Aufhebung der Stoßdämpferfunktion der Bandscheiben durch zunehmenden Verschleiß, Arthrose der Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenksarthrose).
Die Abklärung der möglichen kreuzschmerzversursachenden Erkrankungen kann so in manchen Fällen langwierig sein und erfordert die ganze Aufmerksamkeit des Orthopäden.
Innerhalb kurzer Zeit auftretende Schmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalles mit stärksten Schmerzen die entlang bestimmter Gebiete ausstrahlen (in Arm oder Bein, auch gürtelförmig über Brustkorb oder Bauch). Dazu können Nervenlähmungen / Muskelschwäche / fehlende Muskelreflexe und taube / gefühllose Areale auftreten. Als Vorläufer dieser Erscheinungen sind werden vom Patienten Mißempfindungen - sog. Parästhesien - beschrieben, die sich wie "Ameisenlaufen" anfühlen oder als "Wattegfühl" beschrieben werden.
Durch eine Störung der Pufferfunktion der Bandscheibe entstehen Veränderungen an den stabilisierenden Strukturen der Wirbelsäule. Die empfundenen Schmerzen sind dann mit einer Zwischenwirbelgelenksarthrose - der Fachbegriff lautet Facettengelenksarthrose - und anderen degenerativen Prozessen zu erklären. Hierher gehören Begriffe wie Osteochondrose, Spondylarthrose, degeneratives Wirbelgleiten, Hypertrophie des Lig. flavum, Spinalstenose, Claudicatio spinalis, etc.
Hinsichtlich der möglichen Therapieformen ist zu betonen, daß der zahlenmäßig weitaus größere Teil der Kreuzschmerzpatienten mit konservativen (= nicht operativen) Behandlungsmaßnahmen zufriedenstellend gebessert und die Arbeitsfähigkeit erhalten werden kann.
Banale Kreuzschmerzen nach auslösenden Faktoren wie Nässeexposition, Unterkühlung, „Verheben“, montoner Arbeitsbelastung oder auch mäßiggradige Schmerzepisoden bei leichteren Bandscheibenschäden können in nahezu allen Fällen mittels Wärmeanwendungen, Bewegungsbädern, Bestrahlungen, krankengymnastischer Übungsbehandlung und vorübergehender Gabe von Medikamenten oder gezielten Injektionen durch den Orthopäden rasch und anhaltend behoben.
Selbst Bandscheibenvorfälle müssen in der heutigen Zeit nicht mehr zwingend operativ angegangen werden spezielle physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten gezielte Injektionen an die Wirbelsäule oder direkt an die betroffene Bandscheibe und an den gereizten Nerv können die Beschwerden rasch und nachhaltig lindern. Hierzu können Sie sich auch in den Kapiteln "minimalinvasive Therapie - PRT" und "minimalinvasive Therapie - Facettengelenksdenervierung" informieren.
Sofern sich diese Kreuzschmerzen jedoch wiederholen, ist es in vielen Fällen erforderlich, die Lebensweise des Patienten umzustellen. Hierzu gehören Faktoren wie Gewichtsreduktion, bessere Sitzhaltung, Vermeiden des Hebens schwerer Lasten, Einhalten häufigen Wechsels von Sitzen und Stehen sowie Vermeidung von Kälte und Nässe.
Die Behandlung der durch Verschleiß bedingten Veränderung ist ebenfalls in einem überwiegenden Teil der Fälle ohne Operation möglich. Zu den Behandlungsmaßnahmen zählen unter anderem die Verordnung eines Mieders / Korsetts und die intensive Kräftigung der Rumpfmuskulatur und gezielte Injektionen durch den Orthopäden.